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Ausstellung: Bad Reichenhall, August 2016

140 Kurse in der Kunstakademie besucht

Gemeinschaftsausstellung von Heidi Lobensommer und Monica Giarratana
Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner überreicht Blumen

von Brigitte Janoschka

Monica Giarratana_Ausstellung_Galerie im alten Feuerhaus Bad Reichenhall_August 2016Bad Reichenhall. Bilder von Monica Giarratana und Heidi Lobensommer gibt es als „bunten Sommermix“ bis zum 21. August in der Galerie im Alten Feuerhaus zu sehen. Kennengelernt haben sich die beiden Künstlerinnen bei einer Malreise in die Toscana mit dem Dozenten Gerhard Almbauer. Zusammen besuchten sie seit den 1990er-Jahren 140 Malkurse bei der Kunstakademie, jede genau 70. Dies war Grund genug für Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner, sich bei beiden mit einem bunten Sommerblumenstrauß zu bedanken.

Dr. Brigitte Hausmann sprach in ihrer Laudatio von zwei vorherrschenden Eindrücken beim Betrachten dieser Ausstellung: Einerseits reichen die Exponate in einer großen Bandbreite vom Gegenstandslosen und Expressiven, das bei beiden Künstlerinnen zu finden ist, bis hin zur präzisen naturalistischen Kunst. Andererseits zeigt die Gemeinschaftsausstellung ein harmonisches Gesamtbild. Weiterhin bewundert Dr. Hausmann bei beiden den suchenden Geist, da sie sich jeweils von ganz unterschiedlichen Kunstansätzen inspirieren ließen. Die Liste der Dozenten, deren Kurse sie besuchten, ist ziemlich lang. Gemeinsam waren Lobensommer und Giarratana bei Wolfgang Zelmer und Gerhard Almbauer, die genau die beiden Pole dieser Ausstellung vertreten.

Auch die beiden Künstlerinnen sprachen darüber, was sie in ihrer Malerei bewegt. Giarratana male im Moment vor allem kleine Bilder, woraus wiederum eine große Einheit entstanden sei – eine Wandtafel mit 78 kleinen Ausschnitten aus „Momenten“ des Lebens.

Heidi Lobensommer_Ausstelllung Hotel Corvatsch_Innenansicht 2Heidi Lobensommer dagegen habe mit kleinen Bildern angefangen und malte immer größere, abstrakte Bilder. Mit den Jahren habe sie jedoch das gegenständliche Malen als Ruhepol für sich entdeckt. Sie waren beide voll des Dankes an Dr. Herbert Lackner und Dr. Brigitte Hausmann für die gute Zusammenarbeit mit der Kunstakademie.

Beim Betreten der Galerie fällt die professionelle Raumgestaltung auf – „Weniger ist mehr“, sagte Heidi Lobensommer und ließ lieber einige Bilder bescheiden in einer Ecke stehen. Über einer Auswahl an abstrakten Bildern in Mischtechnik, sowie drei sinnbildträchtigen Collagen von Heidi Lobensommer – zum Beispiel „New Art Times“ im Schriftzug der bekannten New Yorker Zeitschrift und mit einer verfremdeten Mona Lisa – thront das Bild „Watzmann“ mit mehr idealistischen als naturalistischen Zügen.

„Momente“ von Giarratana, das sind nicht einfach kleine Bilder mit Vögeln, Vierbeinern, Blumen und Lebens-Situationen, nein, das sind immer in einen bestimmten Kontext gesetzte Botschaften: Der Vogel vor dem Hintergrund eines Notenblatts etwa drückt mit Symbolkraft aus, woher Musik kommt. Alte Schriftzeichen als Stilmittel, ein Hirsch auf einem Briefumschlag neben einer Briefmarke, Blüten in verschiedenen Abstraktionsgraden, Naturszenen, Miniaturen im Stil alter Postkarten oder einer Widmung im Poesiealbum – alles ist umschreibbar mit dem Etikett „freigemaltes Gegenständliches“, erklärte Monica Giarratana, die auch ganze Hotels mit ihren Kunstwerken ausstattet. Fast unmerklich versteckt sich dazwischen auch so manche abstrakte Miniatur, die dem Betrachter einiges an Fantasie abverlangen mag. Daneben findet der Besucher großformatige Pflanzenbilder mit kreativen Farbschattierungen – Enzian, Orchideen, eine weiße Rose, Löwenzahn – Suche nach dem Urgrund der Natur oder Seelenlandschaft?

Auch die gegenständlichen Bilder von Heidi Lobensommer zeigen künstlerische Tiefe: Die „Obstschale“ ist nicht einfach nur ein Stilleben vor einem diffusen Hintergrund. Eigentlich ist es genau diese Wand dahinter, deren Muster durch viele Schichten hindurch schimmern, die dem Bild seine Aussagekraft verleiht, eine Technik, die beim Bild daneben ein schmiedeeisernes Gitter zur schemenhaften Hauptsache werden lässt. Auffallend ist bei Lobensommer auch die Zusammenführung von abstrakt und gegenständlich in einem Bild: Vogelköpfe auf einem abstrakten Hintergrund, wie etwa die Teildarstellung der in das Bild hineinschauenden Aras im bunten Federkleid, oder in das Bild hineinfliegende Schwäne, deren abstrakte Körper sich noch im Bild rechts daneben befinden, wo auch ein Eisvogel in perfekter Präzision sitzt – ein Motiv, das auch auf zwei Einzelbildern zu sehen ist.

Eine absolut sehenswerte Ausstellung mit Lust auf Entdeckung der dahinter liegenden Philosophien.

 

Reichenhaller Tagblatt vom 13.08.16, Nummer 187, S. 20

Fotos: Janoschka

 

Bilder der Vernissage